Jehuda Amichal: Wie schön sind deine Zelte, Jakob
Zum Tod des israelischen Dichters Jehuda Amichai
Der gebürtige Würzburger emigrierte 1935 mit seiner Familie
nach Israel. Er blieb dort und wurde ein anerkannter Dichter, dessen
Gedichte sogar in der Knesset zitiert wurden.
Nach Würzburg zurück kam er 1959. Diese Reise spiegelt
sich in seinem Roman "Nicht von jetzt, nicht von hier". - Sein Roman
»Weinburg - Würzburg, Stadt der Tränen«, thematisiert
Rache. Möglich - erwünscht?
Hier eines seiner Gedichte:
Jerusalem, ein Ort, von dem alle glauben,
sie haben dort etwas vergessen,
doch was es war, wissen sie nicht.
Um dieses Wissen zu erlangen,
setze ich die Maske meines Vaters
auf mein Gesicht.
Das ist meine Stadt, in der sich die Gefäße
meiner Träume füllen
wie Sauerstoffbehälter von Tauchern.
Das Heilige in dieser Stadt
verwandelt sich manchmal in Liebe.
Die Fragen, die man in diesen Bergen stellt,
bleiben dieselben: Hast du meine Herde gesehen?
Sahst du meinen Hirten?
Die Tür meines Hauses ist geöffnet
wie ein Grab, aus dem man auferstanden ist.
|