Pressebericht: Seltener Besuch in der Schule: Rabbi im Unterricht
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Chana und Shlomo Bistritzky.
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(29.09.2000) Limburg. Obwohl der jüdische Glaube die Grundlage für
das Christentum bildet und obwohl das Judentum, vor allem wegen der deutschen Schuld am Holocaust, im Schulunterricht immer wieder präsent
ist, kommen Schüler nicht oft mit gläubigen Juden ins Gespräch. Eine
dieser seltenen Gelegenheiten, noch dazu mit einem Rabbiner als Gast im Unterricht, hatten die Schülerinnen und Schüler der neunten
Realschulklassen der Leo-Sternberg-Schule.
Der angehende Rabbiner Shlomo Bistritzky aus Jerusalem stellte sich zusammen mit seiner Frau Chana, die Mathematiklehrerin werden möchte,
den Fragen der Jugendlichen. Zuvor hatte der junge Geistliche den ersten
jüdischen Gottesdienst in Limburg seit 62 Jahren gefeiert. Wie viele Israelis ist Shlomo Bistritzky ein Nachkomme von Überlebenden des
Völkermords an den europäischen Juden im »Dritten Reich«. Sein Großvater mütterlicherseits stammte aus Hamburg und hatte rechtzeitig
emigrieren können. Der andere Großvater wurde im heutigen Tschechien
geboren. Fast alle Verwandten aus diesem Familienzweig waren schon in den Viehwaggons umgekommen, mit
denen die deutschen Besatzer sie nach Auschwitz verschleppt hatten. Während seiner bisher fünf Reisen nach
Deutschland war Shlomo Bistritzky selbst schon antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. So sei er zweimal in
Berlin als frommer Jude beschimpft worden. Einmal habe man ihm »sechs Millionen«, die Zahl der unter den
Nationalsozialisten ermordeten Juden, nachgerufen. »Trotzdem gehe ich auf jeden Menschen, auch auf jeden
Deutschen, unvoreingenommen zu und achte ihn als Einzelperson«, sagte Bistritzky.
Im Gespräch mit den Schülern, die im Religionsunterricht umfangreiche Fragelisten erarbeitet hatten, erzählten die
Gäste aber auch über ihre Kultur. Dabei wurde klar, dass beide sowohl in ihrer religiösen Tradition als auch in
der modernen Welt leben. Shlomo Bistritzky sieht mit seinem schwarzen Gehrock, dem breiten Hut und seinem
Bart so aus, wie man sich einen religiösen Juden vorstellt, das hindert ihn aber nicht, auch gerne Basketball zu
spielen und schwimmen zu gehen. Das Paar war zu Gast bei der neuen Jüdischen Gemeinde in Limburg gewesen
und wurde bei dem Aufenthalt von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit betreut.
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