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P.Bauer

Die ehemaligen Limburger Juden treffen sich 1979 in Amerika - Ein Bericht von Werner Goldschmidt

Vor kurzem übersandte uns Lothar Liebmann aus Teaneck, USA, einen über 10 Seiten langen Bericht in Englisch, verfasst von Werner Goldschmidt, den Frau Ute Röttgers in Auszügen für uns übersetzte. Schon 10 Jahre vor der Einladung durch die Stadt Limburg 1989 hatten die jüdischen Limburger Kontakt untereinander, und der Hauptmotor dabei war Lee Liebmann. Er überzeugte auch die noch Zögernden damals, nach Limburg zu kommen.

Die Idee eines Treffens ehemaliger Limburger Juden entstand im Oktober 1978, als sich Lothar Liebmann und Werner Goldschmidt auf dem Flughafen in Washington nach Jahren zufällig trafen. Als Werner G. dann Klara Rosenthal, heute Cläre Appel, in ihrem Haus in Elmer in New Jersey besuchte, nahm diese Idee Gestalt an. Man vereinbarte ein Treffen. Allerdings waren viele Adressen unbekannt, aber alle Angesprochenen zeigten reges Interesse und auch Kinder von inzwischen Verstorbenen wollten teilnehmen oder darüber unterrichtet werden.

So fand das erste Treffen im Februar 1979 statt Alle erinnerten sich an ihre Kindheit und Schulzeit in Limburg, an Gutes und Schweres. - Durch die Repressionen und antisemitischen Druck in den Jahren 1933 - 1939 wurde ihr Leben immer eingeengter und die Leistungen in der Schule wurden dadurch schlechter. Man erinnert sich an die Zerstörung der Synagoge, den Vandalismus in den Wohnungen durch Deutsche. Einige fanden sich mit 13 Jahren in Einzelhaft wieder. - Sie wurden Zeugen der sinnlosen Zerstörung der Wohnungen und Geschäfte ihrer Eltern.

Viele von ihnen kamen ins Gefängnis oder - noch schlimmer - ins Konzentrationslager, von wo manche in schrecklichem Zustand zurückkamen, andere gar nicht mehr. Es wurde zunehmend schwerer, Limburg zu verlassen, denn es fand sich kaum ein Land, das Juden aufnehmen wollte. Die, die Limburg bis Mitte 1939 nicht verlassen hatten, wurden deportiert und kamen in den Kriegsjahren um.

Schön sind die Erinnerungen, die sich auf das tägliche Leben in Limburg beziehen, z. B. an die Häuser und Gärten der Eltern, auf die diese so stolz waren, an frühere Freunde, Spiele auf dem Schafsberg und Greifenberg. Aber auch an Lehrer, wie der faire Oberlehrer Schulz oder in der Mädchenschule die Lehrerinnen Neubauer und Pfeiffer, die unter schwierigen Bedingungen ihr Bestes gaben.

Sie erinnern sich an Rodelausflüge auf den Schafsberg und an das Schwimmen in der Lahn. Später unternahmen sie Touren mit dem Motorrad nach Elz und Montabaur, Lindenholzhausen und Schulausflüge nach Balduinstein, Bad Ems, in den Taunus und den Westerwald, an die Quelle in Selters, an der sie ihren Durst stillten.

Auch die Gesichter der Freunde kommen ihnen in den Sinn und die Häuser der Stadt Limburg, der Dorn, seine Geschichte und Architektur. Das jüdische Gebetshaus stand ja gegenüber dem Landgericht auf der Schiede und auch es hatte seine eigene Geschichte, denn es gab früher die Synagoge in der Erbach. Als das Schloss brannte, standen sie mit ihren Eltern unten bei der alten Stadtmauer und sahen das Feuer. -

An dem Kreuzweg auf den Greifenberg bei den Bahnschienen stand eine alte Trauerweide, in die der Blitz schon etliche Male eingeschlagen hatte, die aber immer wieder ausschlug. Sie selbst beteten dort nicht, sahen es aber andere tun. Es wurde ihnen früh beigebracht, andere Religionen zu respektieren.

Unangenehm sind die Erinnerungen an wachsende Isolation und Stigmatisierung, tröstlich die Erinnerung an das zerfurchte, aber freundliche Gesicht von Schwester Anna, die Werner Goldschmidt, als er Scharlach hatte, lange zu Hause gesund pflegte.

Es war auch bekannt dass viele Limburger in Opposition zum NS-Regime standen. Allerdings erfuhr Werner G. erst nach dem Krieg von Bischof Hilfrichs unverhohlenen Protesten gegen die Behandlung der Juden und seine ,öffentliche Kritik an den Euthanasie-Programmen im nahen Hadamar.

Werner Goldschmidt war dann noch etliche Male, auch mit seinem Sohn, in Limburg, um ihm die Stadt seiner Kindheit zu zeigen. Lee Liebmann war auch mit seinem Sohn hier und jetzt im November 2001 eine Woche mit seiner Frau Eva.

 

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