Buchtipps
1.Paul Spiegel: Wieder zu Hause? - Autobiografie, Ullstein-Verlag
Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, 1937 im münsterländischen Warendorf geboren, schildert in dem Buch seinen Lebensweg von der Flucht nach Belgien auf dem Arm seiner Mutter über das frühe
Engagement für die neu belebte jüdische Gemeinschaft in Deutschland bis zur Präsidenten-Wahl sowie die wichtigsten Ereignisse seiner fast zweijährigen Amtszeit.
Der Mahner Paul Spiegel setzt eher auf die vermittelnden Töne des "Menschenfischers" Bubis, nach dem Motto: "Mitspielen darf nur, wer auf andere zugeht."
2.Martin Forward: "Jesus" - Eine Biografie - Herder Spektrum
Der englische Methodist zeichnet ein Bild von Jesus, christlich--jüdisch. - Das Buch zeugt von hoher fachlicher Kompetenz und benutzt eine sachliche Sprache. Es richtet sich an Laien, die sich ein verlässliches
Bild von Jesus machen wollen am Beginn des 3. Jahrtausends. - Erfreulich ist, dass der Autor auf den Juden Jesus eingeht und auch das Bild Jesu in den anderen Weltreligionen skizziert.
3. Eine deutsche Familiengeschichte
Martin Doerry erinnert an seine ermordete jüdische Großmutter LiIIi Jahn. Lilli Jahn wird als Lilli Schlüchterer 1900 In Köln geboren. Sie kommt aus einem gutsituierten Elternhaus und ist sehr begabt Sie
studiert Medizin und heiratet den protestantischen Arzt Ernst Jahn. Vier Kinder werden geboren.
Als Gerhard Jahn, der älteste Sohn, Justizminister im Kabinett Brandt, 1998 verstirbt, findet sich in seinem Nachlass ein Karton, der erschütternde Dokumente enthält Fast 60 Jahre lang hatte Jahn ca. 250 Briefe
aufbewahrt, die er und seine drei Schwestern 1943 und 1944 an ihre im Arbeitslager Breitenau bei Kassel inhaftierte Mutter Lilli geschrieben hatten. Bevor die Mutter von dort nach Auschwitz deportiert wurde, hatte
sie diese KinderÂbriefe herausschmuggeln können. - Für die noch lebenden Geschwister bedeutete der Fund die schmerzliche Aufarbeitung einer verdrängten Familientragödie. Der Enkel, Martin, Sohn der ältesten
Tochter Ilse, hat die Briefe nun dokumentiert und das Andenken an seine Großmutter bewahrt, die im Juni 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Martin Doerry: Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn 1900 bis 1944, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart u. München 2002
4. Imre Kertesz Roman eines Schicksallosen.
„Wir müssen das Leben leben, das uns zugefallen ist, und es so leben, dass es uns ganz zufällt.“ Imre Kertesz "Schon war er da, schon spürte ich seine Faust im Gesicht und dann, nachdem er
mich niedergeschlagen hatte, auch seine Stiefel in den Rippen und im Nacken seine Hände, wie er mir das Gesicht immer wieder zu Boden drückte, in den Zement. Ich solle ihn aufnehmen, zusammenkratzen, auflecken -
verlangte er, unsinnigerweise. Dann zerrte er mich wieder hoch:" Dir werd ich’s zeigen, Arschloch, Scheißkerl, verfluchter Judenhund", so dass ich nie wieder einen Sack fallen ließe, wie er
versprach. ..... fühlte ich am Ende dieses Tages, dass etwas in mir unwiederbringlich kaputtgegangen war.....
Imre Kertesz wurde 1929 in Budapest geborgen und 1944 nach Auschwitz deportiert. 1945 wurde er in Buchenwald befreit. Seit 1953 lebt er in Budapest als freier Schriftsteller. 2002 erhielt er den Literatur-Nobelpreis.
"Adressat unbekannt",
erstmals 1938 veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser Roman in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft. „Selten ist so viel in solcher Dichte ausgedrückt worden", heißt es in einer Rezension. „Welche Hellsichtigkeit! Und welche Kraft."
Der Text wurde 1938 als Fortsetzung in einer Zeitschrift veröffentlicht, geriet dann über sechzig Jahre lang in Vergessenheit. 62 Seiten, rororo 23093, € 4,90
Neuerscheinung: „Kehillah Kedoscha - Spurensuche". Unser Mitglied , Herr oberstud. Direktor Hans-Helmut Hoos, Direktor des Gymnasiums Philippinum in Weilburg, hat jetzt
sein Lebenswerk vorgelegt, die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Friedberg und der Friedberger Juden von den Anfängen bis 1942
„Kehillah Kedoscha - Spurensuche" ISBN 3-927006-36-X In „Spurensuche" der „Heiligen Gemeinde" Friedberg wird in einem Überblick die Geschichte der jüdischen Gemeinde Friedberg vom 13. bis
zum 2o. Jh. dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jh. liegt. In einem Anhang wird aus der Sicht der überlebenden ehemaligen Friedberger Juden das Geschehen der Jahre 1920 - 1942 geschildert.
Neue Buchtipps 2004
Moses Mendelssohn: Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele.hrsg. von Dominique Bourel mit einer Einleitung von Nathan Rotenstreich. Hamburg, Meiner Verlag 1979, Philosophische Bibliothek, Bd. 317 ISBN
3 - 7873 - 0468 - 1
Arnos OZ : Wie man Fanatiker kuriert. Aus dem Englischen von Julia Ziegler Suhrkamp, Frankfurt 2004,109 S., € 8,--
Als Antidot gegen Fanatismus jeglicher Couleur empfiehlt Arnos Oz in seinen Vorlesungen dreierlei: Empathie, Humor und Literatur. Besonders nahe legt der Dozent die Lektüre von Shakespeare, Gogol und Kafka. Und
....Amos Oz.
Cornelia Schmalz-Jacobsen: Zwei Bäume in Jerusalem Hoffmann u. Campe, Hamburg 2002
"Zwei Bäume in Jerusalem" ist nicht nur die Liebeserklärung einer Tochter an ihre Eltern, nicht noch ein Buch
über das „zwölfjährige Reich". Es ist ein Bericht über zwei Menschen, die eine unbequeme Wahrheit gelebt
haben: Dass es möglich war, in der Tyrannei sein Leben für das Leben anderer einzusetzen. "Mein Vater
entschied", schreibt die FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen, „besser die Kinder haben tote Eltern als
feige Eltern." Und die Mutter fügte hinzu: "Wenn wir beide zwei Menschenleben retten, sind wir quitt mit Hitler, und jedes zusätzliche Leben ist ein Reingewinn." Tollkühn? Nicht ganz.
"Dies Kind soll leben". Die Aufzeichnungen der Helene Holzman 1941 - 1944. Kaunas, Litauen 1941, hrsg. von R. Kaiser und Margarethe Holzman List-Taschenbuch
Helene Holzman emigrierte mit ihrem jüdischen Mann, einem Buchhändler, nach Litauen. Sie selbst ist Malerin,
widmet sich aber den zwei Töchtern und der Arbeit ihres Mannes. Obwohl ihr Mann bei einer Razzia in Kaunas von den Nazis verschleppt wird und sie nie mehr etwas von ihm hört, und ihre ältere Tochter im Gefängnis
ermordet wird, findet sie die Kraft, ein jüdisches Mädchen aus dem Ghetto Kaunas zu retten und mit ihrer
Tochter Margarethe groß zu ziehen. Fruma, dieses „Kind", lebt heute noch in Kaunas und Tochter Margarethe in Gießen. Ein sehr ehrliches, mutiges Buch!
Lahnstein: Manfred: Massel und Chuzpe
Wie Blanka und Rudolf den Holocaust überlebten.
Hoffmann u. Campe, 2004. ISBN 3-455-09424-4
Die unglaubliche Odyssee einer jüdischen Familie im 2. Weltkrieg.
Manfred Lahnstein, Bundesfinanzminister a.D., legt mit der Lebensgeschichte seiner Schwiegereltern ein bewegendes Dokument mitteleuropäischer Geschichte vor.____________________________________
JJ. Petuchowski und C. Thoma:
Lexikon der jüdisch-christlichen Begegnung. Hintergründe, Klärungen,
Perspektiven. Herder Spektrum Bd. 4581
Ein bahnbrechendes Gemeinschaftswerk der beiden Religionen. Dieses Lexikon korrigiert Fehlhaltungen und falsche Vorstellungen durch gesicherte Informationen zweier Fachleute. Die Lektüre dieses Buches ist mehr als
ein bloßes Nachschlagewerk. Es ist spannend zu lesen und erweitert den Horizont nicht nur füreinander, sondern auch darüber hinaus.
Soazig Aaron: Klaras NEIN
Tagebuch- Erzählung
Aus dem Französischen von Grete Osterwald, mit einem Vorwort von Jorge
Semprun. Friedenauer Presse Berlin 2004
Klara hat 29 Monate in Auschwitz verbracht, bevor sie in einem Hotel in Paris von ihrer Schwägerin aufgegriffen
wird. Ende Juli 1945 beginnt diese Angelika ein Tagebuch, wie sie Klara, eine aus Frankreich deportierte
Deutsche nach ihrer Rückkehr von Auschwitz erlebt. Es ist eine fiktive Geschichte einer Verweigerung, nicht ihre
Rechtfertigung oder Erklärung. Sie berichtet schonungslos von dem Prozess der inneren Wandlung dieser Überlebenden Klara Adler. Ein außergewöhnliches Buch!
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