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Dietrich Bonhoeffer am 4. Februar 1906 geboren, Gehenkt in Flossenbürg am 9. April 1945
Alternativen des Christseins
Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr die tiefe Diesseitigkeit des Christen- tums kennen und verstehen gelernt. Nicht
ein homo religiosus, sondern ein Mensch schlechthin ist der Christ, wie Jesus Mensch war. Ich erinnere mich eines Gespräches, das ich vor dreizehn Jahren in Amerika mit einem
französischen jungen Pfarrer hatte. Wir hatten uns ganz einfach die Frage gestellt, was wir mit unserem Leben eigentlich wollten. Da sagte er: Ich möchte ein Heiliger werden.
Das beeindruckte mich damals sehr. Trotz- dem widersprach ich ihm und sagte ungefähr: Ich möchte glauben lernen.
Lange Zeit habe ich die Tiefe dieses Gegen-
satzes nicht verstanden. Später erfuhr ich und erfahre es bis zur Stunde, dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich
selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann, eine sogenannte priesterliche Gestalt, dann wirft
man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern die Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das
ist Glaube, das ist Umkehr. Und so wird man ein Mensch, ein Christ.
Christen und Heiden
Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
Menschen gehen zu Gott in seiner Not, finden ihn arm, geschmäht ohne Obdach und Brot, sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit Brot, stirbt für Christen u n d Heiden den Kreuzestod und vergibt ihnen beiden.
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