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Die jüdische Religion ist die erste und älteste der drei großen monotheistischen Religionen. Sie ist
Religion und LebensÂweg des jüdischen Volkes. Die grundlegenden Gebote und Glaubenslehren
des Judentums kommen aus der Tora, den ersten fünf Büchern der Bibel.
Ein Gott
Die wichtigste Lehre im Judentum ist der Satz von dem einen Gott, der kein Körper ist und keine körperlichen Eigenschaften hat, die Lehre von dem ewigen Gott, der will, daß alle Völker in Recht und Gerechtigkeit
leben. Alle Menschen sind nach dem Ebenbild dieses Gottes geschafÂfen und müssen mit Würde und Achtung behandelt werÂden.
Das Bundesvolk
Das jüdische Volk dient Gott durch Studium, Gebet und Beachtung der Gebote der Tora. Diese Treue zum bibliÂschen Bund kann als die „Berufung", das „Zeugnis" oder die „Aufgabe" des jüdischen
Volkes verstanden werden.
Im Gegensatz zu anderen Religionen verlangt das JudenÂtum nicht, dass andere Völker die religiösen Lehren und Gebräuche des Judentums übernehmen müssen, um ErlöÂsung zu finden. Denn die Welt wird nach Taten,
nicht nach Glaubenssätzen gerichtet werden; die Gerechten aus den Völkern haben einen Anteil an der „kommenden Welt".
Aus diesem Grunde ist das Judentum keine aktiv missioÂnierende Religion. Die Gemeinschaft nimmt Konvertiten auf, die Entscheidung darüber liegt jedoch in den Händen der kompetenten jüdischen
Religionsautoritäten. Der Übertritt zum Judentum ist nicht einfach eine Frage der Selbstidentifikation.
Heilige und religiöse Schriften
Der wichtigste religiöse Text im Judentum ist die Bibel selbst (im Christentum das „Alte Testament" genannt). Sie besteht aus den Büchern der Tora, den Propheten und Schriften.
Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n.d.Z. durch die Römer stellten jüdische Religionsgelehrte im Lande Israel die sechs Bände der Mischna zusammen, um den Kanon der jüdischen
Religionsvorschriften, Gesetze und Gebräuche aufzuzeichnen und zu bewahren. In den folÂgenden fünf Jahrhunderten wurde diese Sammlung durch die Gemara ergänzt - Kommentare, Diskussionen und Debatten rabbinischer
Gelehrter im Land Israel und in Babylonien. Beide Texte zusammen bilden den Talmud, der bis heute die lebendige Quelle des religiösen Studiums, Denkens und Kommentierens geblieben ist.
Religiöses Leben
Ein großer Teil des religiösen Lebens im Judentum konÂzentriert sich auf das Haus. Dazu können auch die tägliÂchen Gebete gehören, die dreimal jeden Tag - morgens, mittags und abends nach Sonnenuntergang -
gesprochen werden.
Gemeindegebete finden meistens in der Synagoge statt, dem jüdischen Gebets- und Lehrhaus. Montags, DonnersÂtags und am Schabbat, sowie an den Festtagen und den Hohen Feiertagen gehören hebräische Schriftlesungen
aus der Tora und den Prophetenbüchern zum SynagogenÂgottesdienst.
Der Synagogengottesdienst kann von jedem unterwieseÂnen Gemeindemitglied geleitet werden. In den meisten Gemeinden wird diese Rolle jedoch von einem Kantor oder einem Rabbiner wahrgenommen, einem ordinierten
Religionslehrer, der in einer Jeschiwa, einer jüdischen Religionshochschule, ausgebildet wurde.
Zu den beruflichen Pflichten eines Rabbiners gehört die wöchentliche oder tägliche Unterweisung der Gemeindemitglieder in den Heiligen Schriften. Der Rabbiner ist auch für sachkundige Entscheidungen in
Fragen des jüdischen Religionsgesetzes und der Tradition sowie
zur Beratung bei Problemen im jüdischen Alltagsleben zuständig, Dazu gehört oft auch die Schlichtung vor perÂsönlichen Disputen. Ernstere Streitfälle, wie religiöse Ehescheidungen, werden an ein Beit Din, das
lokale jüdische Rabbinatsgericht, verwiesen.
Brit Milah
In der Regel werden alle jüdischen Knaben am achten Tag nach ihrer Geburt beschnitten. Die Beschneidung (Brit Milah), die seit den Tagen Abrahams praktiziert wird, ist das physische Zeichen des Bundes.
Bar und Bat Mitzwah
Ein jüdisches Mädchen erreicht im Alter von zwölf JahÂren, ein jüdischer Junge im Alter von dreizehn Jahren, religiöse Volljährigkeit und übernimmt fortan religiöse Pflichten und religiöse Verantwortung.
Bei dieser GeleÂgenheit wird der Bar-Mitzwah-Junge zum ersten Mal in der Synagoge zur Lesung des Torawochenabschnittes und des Prophetentextes aufgerufen. In Gemeinden, in denen Frauen aktiv am Gottesdienst
teilnehmen, werden auch die Bat-Mitzwah-Mädchen zur Lesung aus Tora und den Propheten aufgerufen.
Speisevorschriften
Gläubige Juden beachten die Speisevorschriften aus dem Buch Levitikus. Hier wird der Verzehr von Fleisch-und Milchprodukten während einer einzigen Mahlzeit verboten und das schmerzlose, rituelle Schächten von
Schlachttieren vorgeschrieben. Außerdem wird der VerÂzehr von Blut, Schweinefleisch, Schalentieren und andeÂren, nichtkoscheren Nahrungsmitteln absolut verboten.
Obwohl die Speisevorschriften auch nahrungshygieniÂsche Vorteile bieten, scheint ihre ursprüngliche MotivaÂtion doch der Wunsch gewesen zu sein, das individuelle Leben des Volkes, das auch unter den schwersten
Umständen die Gebote der Tora bewahren soll, mit Moralität, Selbstkontrolle und Selbstverzicht zu durchÂdringen.
Wie in anderen Fragen der religiösen Gebote und . Gebräuche im Judentum so schwanken auch in diesem Zusammenhang Grad und Charakter der Durchführung religiöser Vorschriften innerhalb der drei großen
Hauptrichtungen im heutigen Judentum - Orthodoxie, konservatives Judentum und reformiertes Judentum.
Feiertage
Der siebente Tag der Woche ist der Schabbat, der bibÂlisch vorgeschriebene Ruhetag. Bestimmte Arbeiten solÂlen an diesem Tag unterbleiben. Ausgenommen hiervon sind Tätigkeiten, die dem Gottesdienst oder der
BewahÂrung von Leben und Gesundheit dienen. Ganz zentral zum Schabbat gehört die Lesung des Wochenabschnittes der Tora in der Synagoge.
Die Hohen Feiertage (im September und Oktober) bieÂten Gelegenheit zum Gebet und der ernsten, inneren Einkehr. Die zwei Tage des Rosh Hashana, des jüdischen Neujahrsfestes, stehen am Beginn der „zehn Tage der
Umkehr", die mit dem Fasten am Jom Kippur, dem VerÂsöhnungstag, enden.
Die drei großen Feste des jüdischen Kalenderjahres sind ebenfalls biblischen Ursprungs. Pessach (Passahfest) erinnert an das Vorüberschreiten des Verderbens und den Auszug aus Ägypten; Shavuot (Wochenfest)
erinnert an die Gabe der Gebote am Sinai; und Sukkot (LaubhütÂtenfest) erinnert an den Aufenthalt des Volkes in der
Wüste. Heute bieten diese drei Festtage wie in alten Zeiten Gelegenheit zur Pilgerfahrt nach Jerusalem und zum Gebet an der Westmauer, dem Überrest der äußeren UmfasÂsungsmauer des Tempelbergareals. (Die
Zerstörung des Tempels wird mit dem Fasten an Tisha B'av - dem neunten Tag des jüdischen Monats Av - betrauert.)
Andere jüdische Feiertage sind Chanukka zur Erinnerung an den Sieg der Makkabäer und die Neuweihung des TemÂpels in Jerusalem; Purim zur Erinnerung an die Rettung des jüdischen Volkes in den Tagen der Königin
Esther; und der Unabhängigkeitstag Israels, an dem die WiederherstelÂlung der nationalen Unabhängigkeit Israels gefeiert wird.
Zentralität des Landes Israel
Obwohl Gott in der gesamten Schöpfung universal gegenÂwärtig ist, spielt das Land Israel doch eine zentrale Rolle in der Geschichte, dem Leben, in den Hoffnungen und Wünschen des jüdischen Volkes. Nach Jerusalem
wenden sich gläubige Juden im Gebet, und hier im Land, das in der Bibel dem Volke versprochen wurde, können jüdische Riten und Gebräuche am besten bewahrt werden.
Messianisches Zeitalter
Traditionell lebt das jüdische Volk in der Erwartung eines messianischen Zeitalters, in dem universaler Friede auf Erden herrschen wird, wie es die Visionen der Propheten Israels
verkünden.
Möge es rasch und in unseren Zeiten kommen.
Warum tragen Männer häufig einen Tallit, einen Gebetsschal?
Der Tallit, (Plural: Tallitot) wird getragen, damit man daran denkt, die Gesetze Gottes einzuhalten und auf diesem Weg Heiligung anzustreben.
Die Kabbalisten sprechen vom Tallit als einem besonderen Gewand, das während des Gebetes Furcht und Ehrerbietung einflößt - Ursprünglich bedeutete das Wort "Kleid" oder "Mantel". Früher
trugen die Männer einen solchen Mantel, der wie eine Decke aussah. Vermutlich glich er einer „Abaja", einer Decke, wie sie die Beduinen noch heute zum Schutz gegen die Witterung tragen.
Die Vorschrift, nach der man Tallitot tragen muss, stützt sich auf die Bibel. Gott sagte zu Moses:" Rede mit den Kindern Israel und sprich zu ihnen, dass sie und ihre Nachkommen sich Quasten machen an den
Zipfeln ihrer Kleider... sooft ihr sie anseht, sollt ihr an alle Gebote des Herrn denken." (4. Mose, 15,37-41). An sich wurde der Tallit geschaffen, um als Übergewand zu dienen, an dem man die Fransen
„Zizijot“ befestigen konnte.
Den Tallit tragen die männlichen Gläubigen zu alten Morgenandachten der Woche, am Sabbat und an den Festtagen. - Der "Chassan", der Kantor trägt immer einen Tallit, wenn er die Gemeinde beim Gebet
anführt. (nach: Alfred J. Kolatsch: Jüdische Welt verstehen, Fourier Verlag, Wiesbaden)
Chanukka - geschichtlicher Ursprung und Legende
Im letzten Viertel des dritten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung errangen die syrischen Seleukiden die Vorherrschaft über Palästina. Dies bedeutete eine fast ungehemmte Verbreitung der hellenistischen Kultur
über Israel, nicht nur im täglichen Leben, sondern auch im Tempeldienst und unter den Priestern und Dienern des Tempels. Die Eigenständigkeit Israels im kultischen Bereich war in Gefahr, vom Hellenismus
vernichtet zu werden.
Die Hellenisten überredeten den König Antiochos IV. Epiphanes, das Judentum mit militärischen Mitteln zu vernichten. Unter moralischem Zwang ruft die neu gegründete konservative Partei der Frommen zum
militärischen Widerstand gegen die Hellenisierung auf. Ihr Anführer wird der alte Priester Mattathias aus dem Stamm der Hasmonäer. Unter Mitwirkung seiner fünf Söhne erleiden die Syrer im Jahr 167 vor unserer
Zeitrechnung eine Niederlage nach der anderen.
Nach dem Tod des Mattathias übernimmt sein Sohn Judas, genannt „Makkabi" (in der Übersetzung möglicherweise „Hammer" oder „Keule") die Führung der Aufständischen. Das Motto der viele Tausend
Köpfe zählenden Armee war Psalm 149/6: „Ihr Mund soll Gott erheben; sie sollen scharfe Schwerter in ihren Händen halten."
In den nächsten drei Jahren wurden die Syrer aus Palästina vertrieben. Am 25. Kislew des jüdischen Monats, 163 vor unserer Zeitrechnung, zogen die Truppen des Judas in den von den Syrern geschändeten Tempel zu
Jerusalem ein. Dies geschah genau vier Jahre nach der Besetzung des Tempels durch Antiochus IV. Epiphanes.
Der Tempel wurde gereinigt und neu geweiht. Und nun tritt die Legende auf den Plan: Es wurde nur ein Krug mit rituell reinem Öl für einen Tag gefunden. Das Wunder geschah: das Öl reichte für acht Tage. Das
„Lichterfest" wurde geboren, man feierte das Chanukka-Fest acht Tage. Die neunte Kerze auf der „Menorah" -dem Leuchter - ist der sog. „Diener", mit welchem die anderen Kerzen angezündet
werden. Am ersten Tag wird eine Kerze angezündet, jeden Tag dann eine weitere. Die Chanukka-Tage sind eine Zeit, auf die sich besonders die Kinder freuen.
Erich Rohan
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